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Freizeit in Kilchberg

Das Conrad Ferdinand Meyer-Haus erstrahlt in neuem Glanz

Zeitungsartikel, verfasst von Dr. Hans Bosshard, Kilchberg

Nach halbjähriger Umbauzeit ist aus dem bisherigen Ortsmuseum an der Alten Landstrasse 170 in Kilchberg ein kulturelles Zentrum von überregionaler Bedeutung entstanden.

Das Museum mit bisher vier Zimmern im Erdgeschoss und zwei Kellerräumen ist massiv erweitert worden und bietet jetzt im ganzen Haus, auf drei Stockwerken, eine Reihe einzigartiger Ausstellungen. Dem Dichter Conrad Ferdinand Meyer wird neben seinem im Originalzustand erhaltenen Arbeitszimmer ein zweiter Raum im Erdgeschoss gewidmet. Gleich nebenan befindet sich die Ausstellung zum Gedenken an das Leben der Familie Mann in unserer Gemeinde.

Im ganzen ersten Obergeschoss, wo sich früher eine Pfarr- und später eine Mietwohnung befand, verzaubert die einzigartige, durch Neuzugänge seitens der Stiftung erweiterte Sammlung von Zürcher Keramiken (Porzellan und Fayence) des 18. Jahrhunderts, hergestellt von der Manufaktur im Schooren, den Besucher. Zudem vereinigt das neu ins Museum einbezogene zweite Obergeschoss eine Sammlung von Keramik des 19. Jahrhunderts, die bisher in den Keller verbannte ortsgeschichtliche Ausstellung sowie neu eine von der evangelisch-reformierten Kirche gestaltete kirchengeschichtliche Darstellung.

Dank der grosszügigen Schenkung des Kilchbergers Martin Fehle war es möglich, die Liegenschaft so umzubauen und zu erweitern, dass ein lichtdurchflutetes Gebäude entstanden ist, das den Ansprüchen modernster Ausstellungstechnik genügt, ohne den Charme des historischen Gebäudes zu beeinträchtigen. Die im Äusseren unveränderte Liegenschaft bleibt harmonisch mit dem umgebenden Park verbunden und präsentiert die Kunstschätze im Innern in strahlendem Glanz.

Schätze der Zürcher Porzellanmanufaktur

Prunkstück der gesamten Ausstellung ist das Einsiedler-Service, das herausragendste Zeugnis der im 18. Jahrhundert im Schooren (Kilchberg) angesiedelten Porzellanmanufaktur. Es wurde vom damaligen Zürcher Staat als Geschenk für das Kloster Einsiedeln in Auftrag gegeben. Das Service bestand aus einem Speise- und einem Kaffee-/Teegedeck mit rund 300 Teilen. Sein gemaltes Dekor mit Blumen- und Girlandenmotiven stellte einen Höhepunkt der europäischen Porzellanmalerei dar. Nachdem das Service lange bei hohen Festlichkeiten im Kloster gebraucht worden war, gelangte die Hälfte davon in den Besitz des Landesmuseums, während der andere Teil jetzt im Conrad Ferdinand Meyer-Haus zu bewundern ist.

Der Tisch mit dem Einsiedler-Service steht im Zentrum der auf vier Räume verteilten Sammlung der Zürcher Porzellanmanufaktur aus der Zeit von 1763 bis 1790. Die zwanzig mit modernster Technik beleuchteten und geschützten Vitrinen enthalten Schaustücke von auserlesener Schönheit, die Zeugnis ablegen von einer der grössten kulturellen Leistungen Zürichs im 18. Jahrhundert.

Die Gründer und Teilhaber der Manufaktur waren Politiker, Unternehmer und Intellektuelle, die beweisen wollten, dass Zürich auch ohne die Finanzkraft eines fürstlichen Hofes ein ehrgeiziges künstlerisches Werk aufbauen konnte. Zu ihnen gehörten so berühmte Namen wie Johann Conrad Heidegger, Salomon Gessner, Hans Martin Usteri und Heinrich Lavater. Nach dem 1763 erfolgten Kauf eines Hauses am See im Schooren begann die Herstellung von Porzellan schon im folgenden Jahr. Von Anfang an garantierten berühmte Künstler höchste Qualität der Erzeugnisse. Die Sammlung im Conrad Ferdinand Meyer-Haus hat schon bisher zahlreiche Besucher angezogen. Dank der neuen Präsentation und der zusätzlichen Leihgaben wird sie noch weitere Kreise von Fachleuten und Porzellan-Liebhabern begeistern.

Die Herstellung von Zürcher Porzellan dauerte nur wenige Jahre. Der Rokoko-Stil kam aus der Mode; auch die hohen Preise und verschärfte ausländische Konkurrenz brachten das Unternehmen in Bedrängnis. Im Jahr 1790 kam es zur Schliessung und Liquidation des Betriebs am See.

Ortsgeschichte

Im 19. Jahrhundert nahmen Kilchberger Gemeindebürger die Herstellung von Keramik wieder auf, in der Liegenschaft der früheren Porzellanfabrik und in einer zweiten Fabrik am See, in der zeitweise über hundert Arbeiter beschäftigt waren. Die Werkstätten von Hans Jakob Nägeli, Johannes Scheller und Hans Jakob Staub verarbeiteten aber nicht mehr Porzellan, sondern Fayence, Pfeifenerde und Steingut. Prachtvolle Beispiele dieser stark mit der Ortsgeschichte Kilchbergs verbundenen Erzeugnisse sind jetzt im zweiten Obergeschoss des Museums zu sehen.

Die bisher im Keller untergebrachte ortsgeschichtliche Sammlung, die vor allem auf die Tradition der Fischerei und des Rebbaus ausgerichtet ist, präsentiert sich jetzt ebenfalls im zweiten Obergeschoss. Dort ist auch – als neue Ergänzung – die von der evangelisch-reformierten Kirche konzipierte Darstellung der lokalen Kirchengeschichte zu besichtigen.

Die Stiftung Conrad Ferdinand Meyer-Haus

Der Umbau und die Erweiterung des Conrad Ferdinand Meyer-Hauses wurde erst möglich durch die am 23. Juni 2006 erfolgte und am 24. August 2006 im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragene Gründung einer Stiftung. Initiant und heutiger Präsident des Stiftungsrats ist der Kilchberger Martin Fehle. Vizepräsident ist Gemeindepräsident Dr. Hans-Ulrich Forrer; weiter gehören dem Gremium Dr. med. Hans Rudolf Ott, Winterthur, Adelheid Jewanski, Pfarrerin in Kilchberg, und Franz Bösch, Kilchberg, an. Sitz der Stiftung ist das Conrad Ferdinand Meyer-Haus, das im Eigentum der Gemeinde Kilchberg steht.

Die Stiftung will den Fortbestand und die Ausweitung des bisherigen Ortsmuseum sichern und unterstützen. Hauptzweck ist dabei die bauliche Werterhaltung im Inneren des Hauses zur kulturellen Nutzung als Museum und öffentlich zugängliches Gebäude – und der Erwerb zusätzlicher Ausstellungsobjekte. Nebenzweck ist die Unterstützung des Museumsbetriebs sowie die Schaffung günstiger Voraussetzungen in Haus und Garten zur Durchführung kultureller Anlässe.

Martin Fehle widmete der Stiftung ein Anfangskapital von Fr. 500'000 und ergänzte diese Summe im Jahr 2006 um einen gleichen Betrag, so dass für den Umbau und die Erweiterung des Hauses eine Million Franken zur Verfügung steht. Eine weitere Schenkung Fehles im Betrag von Fr. 250'000 dient als Eigenkapital der Stiftung. Auf diese Weise musste für die Realisierung dieses kulturellen Werks kein Geld der Gemeinde in Anspruch genommen werden.

Die Ausstellungsgegenstände im Porzellan- und Fayencebereich sind Stücke aus dem Besitz des Ortsmuseums Kilchberg, sowie Leihgaben der Stiftung sowie in geringerem Umfang des Schweizerischen Landesmuseums. Den Erwerb des Einsiedler-Services hatte das Ehepaar Martin und Hanny Fehle im Jahr 1985 mit einer Schenkung von Fr. 250'000 finanziert.

Kultur- und Begegnungszentrum

Gemeinsam mit den Gemeindebehörden hat die Stiftung ein Organisationskonzept verabschiedet. Es beinhaltet die Einsetzung eines Kuratoriums als Aufsichtsorgan und eines Leitungsorgans. Das Kuratorium steht unter dem Vorsitz von Dr. Hans-Peter Albrecht, Kilchberg; ihm gehören auch Dr. Hans-Ulrich Forrer (als Vertreter der Gemeinde), Franz Bösch (als Vertreter der Stiftung) sowie Elisabeth Lott (als Leiterin und Betriebsführerin des Conrad Ferdinand Meyer-Hauses) an.

Das Kuratorium setzt sich zum Ziel, aus dem bisherigen Ortsmuseum, in Ergänzung zur Ausstellungstätigkeit, ein öffentliches Kulturzentrum zu schaffen. Das Conrad Ferdinand Meyer-Haus soll in Zukunft den Bereichen Literatur, Musik, Geschichte und Kunst „geöffnet“ werden durch Veranstaltungen, temporäre Ausstellungen und weitere Dienstleistungen. Die erweiterte Nutzung soll dem historischen Ort Rechnung tragen und als kulturelles Begegnungszentrum verstanden werden. Die Kosten für den Betrieb werden auch in Zukunft von der Politischen Gemeinde, der Eigentümerin der Liegenschaft, getragen; Aufsichtsbehörde ist der Bezirksrat Horgen, Kontrollorgan die BDO Visura, Zürich.

Das Betriebskonzept sieht öffentliche Führungen, Sonderausstellungen, Konzerte und Lesungen vor. Das Haus soll auch offen stehen für Ziviltrauungen (bis maximal 50 Personen) sowie für „Gesellschafts- und übrige Anlässe“ (ebenfalls bis 50 Personen). Die Ausstellung zum Gedenken an die Familie Mann steht, in Verbindung mit den Grabstätten des Friedhofs, weiterhin den Mann-Freunden aus dem In- und Ausland offen.

Modernes Ausstellungskonzept

Den von der Stiftung beauftragten Architekten Arnoldo R. Schmid, Kilchberg, und Michele Huser-Dougoud, Rüschlikon, ist es gelungen, die Liegenschaft in ein einladendes, stilvolles Museum zu verwandeln. Ihr Konzept entstand im Sommer 2007; Baubeginn war der Januar dieses Jahres. Durch den Einbezug der früheren Pfarr- und Mietwohnung, den Ausbau des Dachstocks und die Entfernung von Zwischenwänden gewannen sie grössere nutzbare Flächen, was jetzt eine grosszügige Präsentation der Museumsgegenstände erlaubt. Den Architekten war besonders wichtig, die Ausstellungsräume so anzuordnen, dass sie – etwa bei Konzerten oder anderen gesellschaftlichen Anlässen – abgeschlossen werden können. Neu geschaffen wurden der Raum für die kirchengeschichtliche Ausstellung, ein Büro der Kuratorin, ein Empfangs- und Sitzungszimmer, ein Catering-Lokal, Toiletten und Garderoben. Der Keller steht nun zur Verfügung als Lokal für Solisten und als Lager. Die Architekten haben Wert gelegt auf die Respektierung der ursprünglichen Baustruktur, die Verwendung kostbarer Materialien und dezente Farbgebung. Der Denkmalschutz hat den Umbau bewilligt.

Ein historisches Gebäude

Das Conrad Ferdinand Meyer-Haus entstand 1785 als Rebbauerngut. Im Jahr 1877 erwarb Conrad Ferdinand Meyer das Haus und die dazugehörende Parkanlage. In der Zeit bis zu seinem Tod im Jahr 1898 verfasste er hier zahlreiche seiner berühmten Werke. Nach seinem Hinschied bewohnte seine Tochter Camilla das Haus; sie liess es bis auf das Arbeitszimmer ihres Vaters durch einen Architekten umbauen.
1943 gelang es der Gemeinde Kilchberg, mit Unterstützung durch den Kanton Zürich und die Stiftung Pro Helvetia, das Landgut für Fr. 285'000 zu erwerben. Der damalige Bundespräsident Dr. Hans Streuli leistete einen massgebenden Beitrag dazu, dass die Liegenschaft nicht an Private verkauft wurde, sondern der Gemeinde Kilchberg als Kulturgut und bleibendes Denkmal des grossen Dichters erhalten blieb. Als Dank ernannte der Kilchberger Gemeinderat den Bundespräsidenten zum „Ständigen Ehrengast im Conrad Ferdinand Meyer-Haus“ – ein Titel, der mit einer Ehrenbürgerschaft vergleichbar ist.

Der Zürcher Regierungsrat gewährte der Gemeinde an den „Erwerb des C. F. Meyer-Gutes“ einen Betrag von Fr. 143'000. Im entsprechenden Vertrag hielt der Regierungsrat fest, das Gut sei dauernd als öffentliches Gebäude der Gemeinde in ihrem Eigentum zu behalten und solle im damaligen Zustand bestehen bleiben. Das Arbeitszimmer des Dichters sei in unverändertem Zustand zu erhalten. Der Garten solle den Charakter eines einfachen ländlichen Gartens mit einer Wiese und Obstbäumen bewahren.

1945 wurde die Ortsgeschichtliche Sammlung im Conrad Ferdinand Meyer-Haus eröffnet, im Jahr 2000 das Zimmer zum Gedenken der Familie Mann. Zweimal (1985 und 2001) wurde das Haus renoviert. Die Baufreigabe für den in diesem Jahr erfolgten Umbau erteilte das Hochbauamt Kilchberg am 19. Dezember 2007.

Geschenk an die Gemeinde

Durch seine Schenkungen hat Martin Fehle wie niemand sonst beigetragen zur Ausstattung des Conrad Ferdinand Meyer-Hauses mit einzigartigem, mit der Gemeinde verbundenem Ausstellungsgut; ihm ist auch zu verdanken, dass der Umbau dieses Jahres zu einem prachtvollen Resultat geführt hat.
Der 1925 geborene Martin Fehle war während 43 Jahren ehrenamtliches Behördenmitglied der Gemeinde Kilchberg – als Mitglied der Kommission für Grundsteuern, als Mitglied und Präsident der reformierten Kirchenpflege und als Mitglied des Stiftungsrats des Altersheims.

Seine glänzende Laufbahn bei den Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli war für Kilchberg höchst bedeutsam. Als langjähriger Finanzdirektor und Mitglied des Verwaltungsrates trug er wesentlich zum Gedeihen dieses Unternehmens bei, das heute den Namen Kilchberg in die ganze Welt trägt. Dabei setzte er sich immer dafür ein, dass Lindt & Sprüngli für Produktion und Konzern dem Standort Kilchberg treu blieb.

Als Dank für seine ausserordentlichen Leistungen ernannte ihn der Kilchberger Gemeinderat im Jahr 2001 zum „Ständigen Ehrengast im Conrad Ferdinand Meyer-Haus“ – die Auszeichnung, die als erstem Dr. Hans Streuli verliehen wurde. Mit seiner gegenwärtigen Stiftung hat er dafür gesorgt, dass das Conrad Ferdinand Meyer-Haus auch in Zukunft ein Juwel der Gemeinde bleibt.
Hans Bosshard

Wir informieren Sie an dieser Stelle über Sonderausstellungen. Zur Zeit findet keine Sonderausstellung statt.

24.06.2008 H. Bosshard

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