Gemeinde Kilchberg

«Mein Besuch im Mittagstisch Schellergut»

Eine Zweitklässlerin erzählt: "Mein Name ist Kaya, ich gehe in die 2. Klasse im Schulhaus Brunnenmoos. Mit meinen Schulkollegen und Kindern aus der dritten Klasse besuche ich den Mittagstisch Schellergut an der alten Landstrasse in einem Haus, das aussieht wie ein kleines, verwunschenes Schloss."

Um 12 Uhr klingelt die Glocke im Schulhaus. Schnell renne ich aus dem Klassenzimmer, packe alle Sachen. Meine Jacke nehme ich von Oktober bis zu den Frühlingsferien mit in den Mittagstisch, damit ich nach dem Mittagessen draussen spielen kann. Jetzt aber los. Über den Pausenplatz laufe ich am Hort vorbei und hüpfe 50 Treppenstufen hoch bis zum Mittagstisch. Denn, wenn ich nicht bis um 12.15 Uhr am Mittagstisch ankomme, rufen die Betreuerinnen zu Hause an oder schreiben ein Mail, weil sie mich vermissen.

An der Tür steht eine Betreuerin, die meinen Namen auf einer Liste abstreicht und mich mit einem freundlichen Gesicht begrüsst: «Hallo Kaya schön, dass du da bist». Wenn die Zeit reicht, plaudern wir noch kurz. Ich suche meine Finken aus der Finkenbox. Auf der «Ämtlitafel» suche ich mir mein «Lieblingsämtli» aus und trage meinen Namen ein. Die «Ämtli» dürfen mit Freunden zusammen ausgesucht und erledigt werden. An manchen Tagen dürfen wir auswählen, ob wir draussen, drinnen oder in der Turnhalle nach der Mittagsessenzeit spielen möchten.

Jetzt freue ich mich auf das Mittagessen, weil ich mit meinen Mittagstischfreunden an der letzten Kindersitzung abgestimmt habe, dass wir bis zu den nächsten Ferien sitzen dürfen, wo wir wollen. Wir sitzen jeden Tag in einem anderen Zimmer: einmal im Saturn-, im Raketen- oder im Planetenzimmer. Es findet viel «Blabla» statt, wir sind ein lebendiger und durcheinander schwatzender Mittagstisch. Sobald ich sitze, darf ich von der Rohkost essen. So warten wir, bis die Betreuerin uns aufruft. Von Herbst bis Frühling dürfen wir uns eine Suppe mit Brot oder einen Salat abholen.

Bei mir und meinen Kollegen ist der Hunger immer gross und bis alle Mittagtischkinder vor Ort sind, dauert es eine Weile. Die Kinder kommen vom Schwimmen, aus dem Sportunterricht, aus der Bibliothek oder aus dem Schulhaus. Aus allen Richtungen kommen die Kinder im Mittagstisch an. Sobald alle Kinder da sind, dürfen wir tischweise unser Essen holen. Die Betreuerinnen sind dafür besorgt, dass wir alles probieren. Manchmal bin ich nicht so begeistert, weil ich etwas noch nie gegessen habe. Trotzdem nehme ich ein kleines Stückchen auf meinem Teller mit. Wir haben die Wahl, ob viel oder wenig Essen geschöpft wird. Lieber entscheide ich mich für weniger und hole mir dann eine zweite Portion. Oft habe ich schon etwas probiert, das meine Freunde essen oder die Betreuerinnen. So habe ich gelernt, dass Neues doch ganz gut schmecken kann. Ein Kind darf die «Relax-Minute» ankündigen. Das finde ich gut, da man dann einfach mal essen kann und etwas Ruhe findet in dem ganzen Gespräche-Rummel.

Spiel und Spass
Meine Freunde und ich dürfen uns wünschen, ob die Betreuerinnen mit uns sitzen sollen oder nicht.  Nach der Hauptmahlzeit gibt es saisonale Früchte. Die Betreuerinnen rufen die Kinder der Reihe nach auf, um abzuräumen. Ich darf oft zuerst wegräumen, weil mein Geschirr zusammengestellt ist. In der Tischgruppe reinigen wir unseren Tisch und danach dürfen wir uns ein Spiel aus dem Regal holen. Manchmal gibt es kleine Streitereien. Diese dürfen wir im Gespräch zusammen lösen oder wir nutzen unsere Gefühlsmonsterwand zur Lösungsfindung. Selten müssen die Betreuerinnen helfen, denn wir sind schon gross. Meistens finden wir selbst eine Lösung.
Meine Mittagstischfreunde und ich spielen Labyrinth, während andere Kinder mit Kappla, den bunten Legosteinen, einem Kartenspiel oder dem Geduldsspiele Rally spielen. Andere sind am Malen und Basteln. In der Adventszeit gibt es unseren Wunschbaum, welchen wir mit kleinen Schilden behängen mit Wünschen für neue Spiele für drinnen und draussen.

Ich freue mich, wenn die Glocke der Betreuerinnen klingelt, wir die Spiele in Windeseile zusammen aufräumen, sodass wir mit unserer Spielebox nach draussen gehen dürfen oder zu dem Aufenthaltsort, den ich am Anfang der Mittagstischzeit gewählt habe. Zurzeit spielen wir nach einem gemeinsamen Spiel oft Rundlauf beim Ping-Pong. Die Betreuerinnen haben uns erlaubt, unseren eigenen Schläger mitzunehmen, da wir am Mittagtisch nicht so viele Schläger zur Verfügung haben. Das fanden meine Freunde und ich ganz cool. Um 13.37 Uhr klingeln die Betreuerinnen die Glocke erneut. Wir sammeln uns alle und legen die Spielsachen zurück in die Spielebox. Die Betreuerinnen verabschieden uns alle persönlich mit Namen.

Zufrieden nach einem abwechslungsreichen Essen, viel Spieleaktivitäten, Lachanfällen, streiten, Diskussionen und einfach einer lustigen, regen Zeit, freue ich mich schon wieder auf die nächste Mittagtischzeit. Jetzt aber ab ins Schulzimmer.»

Es grüsst euch herzlich, ein Mittagstischkind Namens Kaya

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